Gibt es im Jugendstrafrecht ein Adhäsionsverfahren?

Ja, aber nur bei Heranwachsenden.

Ein Adhäsionsverfahren ist ein kombiniertes zivil- und strafrechtliches Verfahren. Das Strafgericht entscheidet hier nicht nur über die Bestrafung des Täters, sondern auch gleichzeitig über die Entschädigung des Opfers durch Schadenersatz oder Schmerzensgeld.

§ 81 JGG sagt dazu:

Die Vorschriften der Strafprozeßordnung über die Entschädigung des Verletzten (§§ 403 bis 406c der Strafprozeßordnung) werden im Verfahren gegen einen Jugendlichen nicht angewendet.

Das gilt also nur bei Jugendlichen, die zum Tatzeitpunkt noch keine 18 Jahre alt waren. Bei Heranwachsenden (also 18- bis 20-Jährigen) gilt dieser Ausschluss nicht. Gegen sie kann das Opfer also ein Adhäsionsverfahren auch dann anstrengen, wenn sie nach Jugendstrafrecht verurteilt werden.

Wann liegt eine Schwere der Schuld vor?

Die Schwere der Schuld ist – neben den sogenannten schädlichen Neigungen – eine Voraussetzung für die Verhängung der Jugendstrafe.

Dies ist nur der Fall, wenn es sich objektiv um eine schwere Straftat handelt und zudem der jugendliche Täter durch deren Begehung auch persönlich eine „schwere Schuld“ auf sich geladen hat.

Mehr dazu im Artikel „Wann darf eine Jugendstrafe verhängt werden?“ von Rechtsanwalt Thomas Hummel auf anwalt.de.

Ist bei einer großen Zahl von Straftaten eine schwere Strafe zu erwarten?

Ja, das ist durchaus möglich.

Zwar ist es im Jugendstrafrecht noch stärker als im Erwachsenenstrafrecht so, dass die einzelnen Strafen nicht vollständig addiert werden. Würde also für einen Betrug ein einwöchiger Arrest verhängt werden, so gibt es für 30 Betrugsstraftaten nicht die 30-fache Strafe.

Aber es ist dann durchaus denkbar, dass das Gericht vom Vorliegen schädlicher Neigungen ausgeht, da der Jugendliche möglicherweise einen kriminellen Lebenswandel angestrebt hat. Dann wäre Jugendstrafe zu erwarten.

Was sind schädliche Neigungen?

Schädliche Neigungen sind eine der beiden Voraussetzungen für die Verhängung einer Jugendstrafe.

Der Begriff meint Charakterzüge eines Jugendlichen, die weitere Straftaten durch ihn befürchten lassen und deswegen eine schwere Sanktion wie die Jugendstrafe unabdingbar erscheinen lassen. Eine genauere Definition ist aber sehr schwierig.

Mehr dazu im Artikel „Wann darf eine Jugendstrafe verhängt werden?“ von Rechtsanwalt Thomas Hummel auf anwalt.de.

Welche Möglichkeiten der Bewährung gibt es im Jugendstrafrecht?

Im Jugendstrafrecht gibt es sehr viel vielfältigere Möglichkeiten, eine Strafe zur Bewährung auszusetzen.

Konkret gibt es folgende Fallgruppen:

  • Aussetzung der Vollstreckung der Jugendstrafe (§ 21 JGG)
  • Aussetzung der Verhängung der Jugendstrafe (§ 27 JGG)
  • Jugendarrest neben Jugendstrafe (§ 16a JGG)
  • Vorbewährung (§ 61 JGG)
  • Jugendstrafe unter Nichtanrechnung der Untersuchungshaft (§ 52a JGG)

Mehr Informationen dazu finden Sie in meinem Artikel auf anwalt.de mit dem Titel „Freiheitsstrafe ohne Gefängnis – die Strafaussetzung zur Bewährung„.

Wofür ist die Jugendgerichtshilfe da?

Das steht in § 38 Abs. 2 des JGG:

Die Vertreter der Jugendgerichtshilfe bringen die erzieherischen, sozialen und fürsorgerischen Gesichtspunkte im Verfahren vor den Jugendgerichten zur Geltung. Sie unterstützen zu diesem Zweck die beteiligten Behörden durch Erforschung der Persönlichkeit, der Entwicklung und der Umwelt des Beschuldigten und äußern sich zu den Maßnahmen, die zu ergreifen sind.

Die Jugendgerichtshilfe stellt also eine Art Gutachten über den Angeklagten an und liefert die Hintergründe zu seiner Lebenssituation. Diese Erkenntnisse helfen dem Gericht bei der Urteilsfindung.

Daneben ist die JGH aber auch für ganz konkrete Entscheidungsvorschläge zuständig:

  • die Anwendung von Jugend- oder Erwachsenenrecht bei Heranwachsenden
  • die Festlegung der Rechtsfolgen

Bei einer Jugendstrafe auf Bewährung wacht die Jugendgerichtshilfe, sofern kein Bewährungshelfer bestellt wurde, auch über die Erfüllung der Bewährungsauflagen.

Endet die Verhandlung immer mit einem Urteil?

Nein, nicht unbedingt. Nicht wenige Prozesse werden mit der Verfahrenseinstellung abgeschlossen. Nachdem sich der Richter, siehe oben, ein Bild vom Angeklagten gemacht hat, reicht es unter Umständen, ihn ohne Urteil nach Hause zu entlassen. Das Verfahren wird dann ohne irgendeine Sanktion eingestellt.

Muss ich Angst haben, ins Gefängnis zu kommen?

In aller Regel nicht. Gerade bei Ersttätern ist eine Jugendstrafe extrem selten. Dazu kommt, dass Jugendstrafen bis zu zwei Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden können und dies normalerweise auch passiert.

Denkbar ist allerdings Jugendarrest, in der Regel nur für ein Wochenende, unter Umständen aber eben bis zu vier Wochen.