Wonach wählt der Richter diese Sanktionen aus?

Da es keine festen Strafrahmen gibt, erfolgt die Auswahl grundsätzlich nach freiem Ermessen des Richters. Er sieht sich den Angeklagten an und wählt aufgrund seiner Persönlichkeit und der Umstände der Tat die Rechtsfolgen aus, die ihm hier sinnvoll erscheinen.

Welche Rechtsfolgen genau zu erwarten sind, kann Ihnen Ihr Anwalt auch nicht sicher zusagen, aber er kann Ihnen jedenfalls übertriebene Ängste nehmen.

Welche Ahndungsmöglichkeiten gibt es im Jugendrecht?

Das JGG unterscheidet folgende Sanktionen:

  • Erziehungsmaßregeln (z. B. Ableistung von Arbeitsstunden, Teilnahme an einem sozialen Trainingskurs)
  • Zuchtmittel (z. B. Geldauflage, Jugendarrest bis zu vier Wochen)
  • Jugendstrafe (Freiheitsstrafe in einer Jugendstrafanstalt)
  • Daneben sind noch Maßregeln (z. B. die Unterbringung in der Therapie) sowie Fahrverbot und Führerscheinentzug zulässig.

Zahlt der Staat meinen Anwalt?

Wird das Verfahren eingestellt, egal ob durch die Staatsanwaltschaft oder durch das Gericht, trägt der Beschuldigte seine Kosten in aller Regel selbst. Das gilt erst recht bei einer Verurteilung.

Bei einem Freispruch trägt der Staat zumindest einen Teil der Anwaltskosten, hierbei allerdings nur Pauschalsätze, die meist unter den tatsächlichen Kosten liegen. Im Jugendstrafrecht kann das Gericht auch bei einer Verurteilung die Pflichtverteidigerkosten dem Staat auferlegen.

Was kostet der Anwalt?

Das kommt darauf an, wie umfangreich das Verfahren ist. Bei einer außergerichtlichen Vertretung kann man – je nach Aufwand – mit 200 bis 800 Euro rechnen.

Geht die Sache dagegen vor Gericht, kommen zusätzliche Gebühren für die Vorbereitung der Hauptverhandlung sowie für die Vertretung im Termin dazu. Dabei muss man auf jeden Fall mit einigen hundert Euro zusätzlich rechnen.

All das sind aber nur Richtwerte aus der Praxis. Nach einer ersten Bestandsaufnahme kann Ihnen Ihr Anwalt regelmäßig eine genauere Auskunft geben.

Brauche ich einen Anwalt?

Nicht unbedingt, man kann sich sowohl im Ermittlungsverfahren als auch vor Gericht selbst verteidigen. Wenn ein Fall der notwendigen Verteidigung besteht, also eine schwerere Straftat vorliegt, bekommt man ohnehin einen Verteidiger durch das Gericht gestellt. Auch diesen Pflichtverteidiger kann man sich grundsätzlich selbst aussuchen.

Wenn Sie sich aber nicht zutrauen, sich selbst zu verteidigen oder es Ihnen einfach wohler ist, wenn Sie durch einen Strafverteidiger vertreten sind, dann können Sie sich natürlich jederzeit an einen Rechtsanwalt Ihres Vertrauens wenden.

Welche Richter entscheiden über mich?

In der Regel findet das Verfahren vor dem Amtsgericht statt. Hier ist normalerweise der Jugendrichter zuständig, der alleine über den Fall entscheidet. Er berücksichtigt aber natürlich auch, was die Jugendgerichtshilfe, der Staatsanwalt und der Verteidiger sagen.

Schwerere Fälle werden durch das Jugendschöffengericht beim Amtsgericht verhandelt. Hier entscheiden zwei Schöffen, also ganz normale Bürger, die keine Juristen sind, gleichberechtigt mit dem Richter.

Die Jugendkammer beim Landgericht ist nur sehr selten zuständig, z. B. bei Tötungsdelikten oder wenn gegen einen erwachsenen Mitangeklagten eine hohe Freiheitsstrafe zu erwarten ist. Hier urteilen zwei oder drei Richter und zwei Schöffen.

Wie hoch sind die Chancen, dass das Verfahren eingestellt wird?

Während im Erwachsenenstrafrecht die Verfahren gerade bei Ersttätern häufiger eingestellt werden, ist dies bei Jugendlichen nicht unbedingt so. Die Staatsanwaltschaft möchte hier oft gleich ein Zeichen setzen, um auf den Beschuldigten einzuwirken. Auch der Jugendrichter will sich den vermeintlichen Täter gerne erst einmal persönlich „anschauen“.

Wie läuft das Strafverfahren gegen Jugendliche und Heranwachsende ab?

Wie im allgemeinen Strafrecht ermittelt zunächst einmal die Staatsanwaltschaft den Sachverhalt und lässt sich dabei ggf. durch die Polizei unterstützen. Auch im Jugendrecht kann die Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellen, wenn die Schuld gering ist oder sich der Verdacht nicht erhärtet.

Während des Verfahrens erfolgt in der Regel ein Gespräch mit der Jugendgerichtshilfe. Diese versucht, die Lebensumstände des Beschuldigten herauszufinden und befragt ihn zu seiner Familiensituation sowie zu seinem beruflichen bzw. schulischen Stand.

Am Ende des Verfahrens erfolgt dann, soweit das Verfahren nicht eingestellt wird, die Anklage zum Jugendgericht, vor dem die Hauptverhandlung durchgeführt wird.